Rezensionen

Hörbuch: “Die Manns. Die Pringsheims”

am 13. Mrz 2008 in Rezensionen

Die Manns werden gern der meist zitierte Familienclan Deutschlands genannt. Das mag stimmen oder nicht, reichlich Material gibt es jedenfalls über die schriftstellernde Familie um den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Außer den drei Romanciers der Familie, den Brüdern Heinrich und Thomas sowie Thomas’ Sohn Klaus, schrieben fast alle Mitglieder dieser Familie regelmäßig. Thomas’ älteste Tochter Erika machte sich vor allem mit politischen Reportagen einen Namen, der drittgeborene Sohn Golo als Historiker. weiterlesen…

Hans Christian Schrader: Das Berliner U-Bahn-Buch

am 29. Feb 2008 in Rezensionen

Momentaufnahmen, Fotos. Berlin unter der Erde, Berlins U-Bahnhöfe, Blicke aus Berliner U-Bahn-Fenstern. Der Ausblick vom Gleisdreieck nachts und bei grellem Sonnenlicht. Rostende Stahlträger der oberirdischen U-Bahn-Gleise zwischen Mendelssohn-Bartholdy-Park und Gleisdreieck und der Blick von der Brücke nach unten auf das Gleisbett. Impressionen von Technik, Architektur und Stadtlandschaften, Spiel mit Licht und Schatten und Bewegung. weiterlesen…

Michael Sobe: Winter ganz unten

am 15. Feb 2008 in Rezensionen

Raskolnikow einmal anders

Günter Wallraff war seinerzeit bewusst „ganz unten“, neuerdings im Übrigen auch wieder, aber auch Eduard Winter, der Titelheld in Michael Sobes Roman, ist ganz unten. Doch schon nach den ersten Kapiteln sind alle Assoziationen mit Wallraffs aufmüpfiger und kämpferischer Sozialkritik, die der Titel auslöste, verflogen. Michael Sobes Romanheld Winter ist ein weltfremder junger Architekt, der sein Studium mit Bestnote abgeschlossen hat und von Hartz IV lebt. Er haust in einer Berliner Hinterhaus-Einraumwohnung, geht einmal die Woche zu seinem Fallmanager aufs Arbeitsamt, um seinen Anspruch auf Sozialhilfe zu legitimieren, und läuft ansonsten, hochphilosophische wirre Selbstgespräche führend, durch die zugigen Straßen der Großstadt. weiterlesen…

Tatjana Kuschtewskaja: Sibirienreise – die Lena

am 7. Feb 2008 in Rezensionen

Dass aber auch alle Leute, die nichts vom Kochen verstehen, stattdessen Kochbücher schreiben müssen! Mit diesem Stoßseufzer soll Tatjana Kuschtewskajas Mutter das literarische Kochbuch „Die Poesie der russischen Küche“ ihrer Tochter kommentiert haben. Mit ihrem 2007 erschienenem Band „Sibirienreise – die Lena“ hat Tatjana Kuschtewskaja nun eindeutig über ein Thema geschrieben, von dem sie etwas versteht. „Nur an der Lena wirst du ganz du selbst“, sagen die Jakuten, und Tatjana Kuschtewskajas Reisereportage beweist, dass sie dem Zauber des Flusses erlegen ist. weiterlesen…

Katherine Mansfield: In einer deutschen Pension

am 5. Jul 2007 in Rezensionen

Katherine Mansfield, die große Meisterin der modernen Short Story, neu zu verlegen, ist an sich schon einmal eine sehr gute Sache. Ute Haffmans hat für den Haffmans Verlag bei Zweitausendeins die Kurzgeschichtensammlung „In einer deutschen Pension“ neu übersetzt und in einer handlichen gebundenen Ausgabe vorgelegt.

Katherine Mansfields Kurzgeschichten sind einhundert Jahre alt und bis heute nicht so populär, wie sie es verdient hätten. Geschichten wie impressionistische Gemälde. Mit einzelnen Äußerungen werden Charaktere hinreichend beschrieben, mit sparsamen Details das Setting skizziert. Treffend, ironisch, kein Wort ist überflüssig, und das Ganze fügt sich mit einer Leichtigkeit zu einer Short Story zusammen. „Ich war eifersüchtig auf ihre Art zu schreiben – die Einzige, auf die ich je eifersüchtig war“, soll Virginia Woolf über sie gesagt haben. weiterlesen…

Anna Mitgutsch: Zwei Leben und ein Tag

am 11. Apr 2007 in Rezensionen

Als sich am 4. November 1851 Nathaniel Hawthorne und Herman Melville im Dorfgasthaus in Lenox auf ein Bier treffen, peitscht der Wind den Regen durch das unwirtliche Berkshire County/Massachusetts. Drinnen präsentiert Melville dem verehrten Schriftstellerkollegen seinen neuesten, noch druckfrischen Roman: „Moby Dick“. Die Lokalpresse schreibt darüber, aber nur weil es den Anstandsregeln zuwiderlief, dass sich zwei Eigenbrötler in einem Gasthaus trafen statt im eigenen Haus. Als Anna Mitgutsch am 23. März 2007 im Rahmen der Leipziger Buchmesse ihren achten Roman im Leipziger Ringcafé vorstellt, nimmt die Welt etwas mehr Anteil, obwohl Sturm und Regen draußen ebenso Unwirtlichkeit verbreiten. weiterlesen…